Keine Angst, es wird nicht erotisch. Es geht nicht um das erste Mal, sondern wie es war, das erste Mal mit dem Wohnmobil zu verreisen. Bei mir ist das schon einige Jahre, was schreib ich, bereits Jahrzehnte her.  Und es war, um es vorweg zu nehmen, einfach nur schrecklich. Aber von Anfang an.

Bis zu unserer ersten Fahrt in einem geliehenen Wohnmobil, es muss so 1992 gewesen sein, habe ich mich mit Händen und Füßen gegen Camping jeglicher Art im Urlaub gewehrt. Ich war kein Camper, und ich wollte schon gar keiner werden.

Camper, das waren für mich Urlauber, die unter illuminierten Vorzelten ihre Grills befeuern, während irgendwo ein riesiger Gartenzwerg auf die frisch gepflanzten Blumenkübel aufpasst. Menschen, die den ganzen Tag im Trainingsanzug herumlaufen und in Zelten oder Wohnwagen nächtigten. Im Urlaub brauchte ich drei Dinge: ein Dach über dem Kopf, ein Bett unter meinem Allerwertesten und eine saubere Dusche im eigenen Bad. Beschriebene Urlaubsvorraussetzungen fanden sich daher nur in Ferienhäusern und Ferienwohnungen. So verbrachten wir die Sommerurlaube mit unseren Kindern überwiegend im Ferienhaus in……..Dänemark.

Irgendwann einmal sollte es dann ein Ferienhaus im Süden sein.  Es war der umgebaute Stall eines alten Bauernhofes in Umbrien. Aber das ist eine andere und äußerst spannende Geschichte. Auf alle Fälle, auf dem Weg dorthin, fuhren wir in der Dunkelheit der Nacht irgendwo rechts heran, um ein paar Stunden auf den heruntergedrehten Autositzen zu schlafen, um so, die so genannte Fahrtauglichkeit des Fahrers wiederherzustellen. Wir kauerten uns zusammen, während es sich unser Sohn auf der Rückbank bequem machte.

Das Erwachen am Morgen war eine Offenbarung. Damit meine ich jetzt nicht, die Schmerzen in allen Gelenken und im Kreuz von dem unbequemen Liegen auf dem Autositz. Der heißt ja auch nicht umsonst Autositz und nicht Autoliege oder Autobett. Nein, damit meine ich das Bergpanorama, dass sich unserem noch vom Schlaf verklebten Augen durch die Windschutzscheibe in einem fulminanten Sonnenaufgang enthüllte. Gigantisch. Dabei hatten wir in der Nacht überhaupt nichts von dem Vorhandensein auch nur eines Berges bemerkt.

Wir setzten uns nach draußen auf einen Stein und staunten weiter. Irgendwer, war ich es oder Michael, keine Ahnung, irgendwer meinte: „Wenn wir jetzt noch eine heiße Tasse Kaffee hätten, wäre das hier nicht mehr zu toppen.“  „Na ja, und ein Liegestuhl wäre auch nicht das Schlechteste.“ dachte ich und massierte mir das schmerzende Kreuz.

Ich glaube, dieser Moment war der Zeitpunkt, in dem das Samenkorn des mobilen Reisens in unsere aufnahmebereiten Köpfe gepflanzt wurde.

Denn schon im Herbst des gleichen Jahres mieteten wir uns ein Wohnmobil. Gemeinsam mit Freunden, die wir in langen, gemeinsamen Abenden mit der Idee einer Wohnmobiltour infiziert hatten.

Im Herbst waren Mietmobile günstiger zu haben. Und so würde eine Woche Wohnmobilurlaub nicht gerade das Jahres- Budget fürs Urlaubmachen sprengen. Das gemietet Mobil war für vier Personen angegeben, was nicht unbedingt hieß, dass es auch wirklich genug Platz für vier Personen und ihr Gepäck bot. Das bemerkten wir aber erst viel später. Und….. es war vollkommen leer.

 

So stapelten sich in der Woche vor dem Beginn unserer Tour sämtliche verfügbaren Wäschekörbe in der Wohnung, gefüllt mit allen Dingen, von denen wir annahmen, dass wir sie unterwegs benötigen würden. Die Wohnung sah aus, als wären wir eher im Begriff auszuwandern als einfach nur eine Woche Wohnmobilurlaub zu machen. Kleidung für jede Witterung.  Im Herbst muss man ja von den ersten Schneestürmen bis hin zu hochsommerlichem Badewetter mit allem rechnen. Küchenutensilien zur Herstellung eines Mehrgang- Menüs, tummelten sich neben diversen Putzmittel. Der Korb mit den Konserven und haltbaren Nahrungsmitteln hätte für eine vielköpfige Expedition in eine der unzivilisiertesten Gegenden der Welt ausgereicht. Und da wir auch unsere Tochter, damals noch ein Baby, mit an Bord nehmen wollten, gesellten sich neben Fläschchen, Pampers und Pflegeprodukten auch ein Kinderwagen und eine Babybadewanne. Was muss, dass muss. Das Kind wurde jeden Abend vor dem Schlafen gebadet und damit würde auch im Urlaub keine Ausnahme gemacht werden.

Dann kam der Tag, an dem wir unsere Wohnmobile übernehmen konnten. Michael und unserem Freund Andreas schwirrten die Köpfe von den diversen Anweisungen zu Gas, Wasser, Abwasser, Toilette, Diesel usw.

Ich allerdings bemerkte nur, wie wenig Schrankfläche uns zur Verfügung stand. Der Alkoven wurde der Schlafplatz für unsere Kinder. Wir würden uns abends die Dinette(Sitzplätze) zu einem Bett umbauen müssen. „Aber wo lassen wir nur über Tag das Bettzeug, wenn der Alkoven zum Kinderzimmer deklariert worden ist?“  Diese Frage war nur eine von vielen, vor die wir beim Bestücken des Fahrzeugs mit unserem „Gepäck“ gestellt wurden. Nach vielem Hin -und Herräumen haben wir es wirklich geschafft, die gesamte bereitgestellte Ausrüstung zu verstauen. „Die Schranktüren sollten allerdings besser während der gesamten Fahrt geschlossen bleiben“, dachte ich damals . „Es könnte sonst sein, dass ich sie nie wieder zu bekommen werden.“.  Endlich waren wir soweit und unsere erste Wohnmobilfahrt konnte beginnen. Es  sollte zunächst an die Mosel gehen.

Die Fahrt verlief friedlich. Baby Lena saß in dem ihr zugedachten Kindersitz und der „Große“ hatte seinen Nintendo. Alles andere interessierte ihn in den nächsten 6 Tagen eher peripher, es sei denn es hatte etwas mit Essen zu tun.

In Cochem angekommen wurden wir vor die Herausforderung gestellt einen Parkplatz für zwei Mobile in der Stadt zu finden. An einem Herbstwochenende zur Weinlese eine schwieriges Unterfangen, das letztendlich mit dem Besetzen eines Busparkplatzes endete. Es dauerte dann eine Weile bis alle ausgehfertig waren und wir mit der Stadt-und Burgbesichtigung beginnen konnten. Wenn man für zwei Kinder, die Kleidung, Getränke usw. herausgesucht und noch an alle Eventualitäten unterwegs gedacht und dafür eingepackt hat, bleibt irgendwie keine Zeit mehr, an sich selber zu denken. Der Trainingsanzug vom morgen, den ich immer noch trug, musste es auch tun. „Es kennt dich eh niemand hier“, dachte ich damals, bevor wir endlich losmarschieren konnten. Und besagter Trainingsanzug sollte mich auf so ziemlich allen Exkursionen begleiten, weil er am schnellsten und einfachsten verfügbar war. Aber dazu später.

Auf dem Rückweg von der Burg setzte ein gehöriger Regenschauer ein. Wir wurden alle einschließlich Baby und Hund, der gehörte allerdings ins Mobil unserer Freunde, triefend nass. Am Wohnmobil angekommen wollten alle gleichzeitig aus dem Regen heraus  und ins trockene Wohnmobil. Als wir endlich mit unseren nassen Sachen drinnen waren, ging gar nichts mehr, schließlich stand im Mittelgang der Buggy. Es musste der Reihe nach gehe, auch  mit dem Ausziehen, soviel war klar. Aber wo hin mit den vielen nassen Sachen. Erst einmal alles in die Nasszelle, die damit ihrem Namen Ehre machte, denn als Badezimmer konnte man diese Kombination aus Dusch-WC-Waschbecken wirklich nicht bezeichnen. Jan-Michel, unser Sohn, fragte etwas ungeduldig nach dem Abendessen. In der Stadt hatten wir ihn und seinen Hunger auf die Rückkehr ins Wohnmobil vertröstet. Baby Lena fand das alles überhaupt nicht mehr lustig und zeigte ihre Sicht  der Dinge erst einmal dadurch, dass sie lautstark an zu schreien fing. Immer noch nass mit einem schreienden und sich nicht beruhigen lassenden Baby auf dem Arm, ließ ich mich auf das einzige freie Polster fallen, fing an zu heulen und schluchzte dabei: „Bring mich zum Bahnhof. Der nächste Zug ist meiner.“

Diese Art der Problemlösung war aber nicht im Sinne meines Mannes, der nun mit einem hungrigen 10- jährigen, einem schreienden Baby und einer heulenden Ehefrau auch etwas überfordert war. Und der erst einmal das Wohnmobil fluchtartig verließ, um in Ruhe bei einem Glimmstängel zu überlegen, was zu tun war. Unterstützung fand er dabei, bei Freund Andreas, dessen Problem  zwar kein schreiendes Baby, aber dafür ein nasser Hund war.

Irgendwie und irgendwann bekamen wir dann doch alles in den Griff. Das  große Kind kriegte etwas gegen den größten Hunger, das Baby bekam sein Fläschchen und eine neue Windel und ich meine Tränen und Verzweiflung in den Griff. Wir schafften sogar ein gemeinsames Abendessen mit unseren Freunden im Nachbar-Mobil zu organisieren, bei dem die Speisen durch die geöffneten Wohnmobiltüren weitergereicht wurden.

Am nächsten Morgen machten wir die Erfahrung, dass auf keinen Fall alle Familienmitglieder gleichzeitig aufstehen durften, wenn wir nicht noch  vor dem „Wachwerden“ wieder in ein absolutes Chaos verfallen wollten. Nachdem die Reihenfolge geklärt war, wurde unser Bett wieder in einen Tisch verwandeln. Wichtigste Voraussetzung zum Frühstücken.  Wir haben es geschafft daran mit 4 Erwachsenen, zwei  Halbwüchsigen, einem Baby  und einem Hund, der musste allerdings unter den Tisch, gemeinsam im Wohnmobil zu frühstücken.

Von der Mosel ging es weiter durch Luxenburg  nach Belgien und Frankreich und dann immer weiter am Atlantik entlang. In dieser Woche sind wir unendlich viel gefahren. Denn wenn das Womo lief, hatte jeder seinen Platz und seine Beschäftigung. Kompliziert wurde es immer, wenn wir hielten, um Besichtigungen zu machen.

Ein Problem, war der sich in Windeseile füllende Fäkalientank und im Gegenzug sich leerende Frischwassertank. Wasser erbettelten wir uns beim Tanken oder zapften es auch schon mal an Friedhöfen ab. Das Abwasser bzw. die Fäkalien wollte allerdings niemand haben. Spätestens wenn wir begannen, die Straße zu markieren, musste auf einem Feld-und Wiesenweg  Abhilfe geschaffen werden. Ver-und Entsorgung? ….Ein Fremdwort…..Bodenablass? Gab es nicht. Und denen, die sich gerade über diese Art der Entsorgung aufregen sei gesagt: Das Ganze ist 25 Jahre her. Wohnmobile gab es so wenige, das wir vor Freude winkten, wenn uns eines begegnete ,und darüber keine Diskussionen führen mussten.

Stellplätze? Stellplätze gab es so gut wie gar nicht.  Ab 16.00 Uhr begann die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz für zwei Mobile. Praktisch fanden wir die Parkplätze an Hallenbädern. Da hatten wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erledigt. Einen Platz für die Nacht und eine saubere Mannschaft. Leider war Frankreich nicht so reichlich mit  Hallenbäder gesegnet.

So musste, nach dem alle Schirme, Jacken, der Kinderwagen und was sonst noch im Wege gestanden hat, aus ihr entfernt worden war,  auch unsere Nasszelle zum Duschen herhalten. Aber diese Aktion haben wir nur einmal gemacht. Der Aufwand im Anschluss alles wieder trocken zu bekommen, einschließlich des Klopapiers,  stand im keinen Verhältnis zum Duschvergnügen

Der Abend jeden Reisetages stand ganz im Zeichen der gemeinsamen Nahrungszubereitung und wurde in den Küchen der Mobile gemeinsam vollzogen. Die Speisen wurden in bewährter Weise von Tür zu Tür weitergereicht. Manchmal passierte dabei auch ein Missgeschick. Wahrscheinlich wunderten sich die Kirchgänger der Kirche von  Säckingen am Sonntag Morgen über eine Menge Vanillepudding auf dem Parkplatz. Der  Pudding hatte zum Abkühlen auf dem Trittbrett gestanden. Beim Öffnen der Tür folgte er der Schwerkraft  und war zum Leidwesen aller Kinder auch nicht mehr zu genießen.

„Genießen „dagegen durften wir die ganze Nacht die Kirchenglocken in voller Lautstärke, wir standen ja direkt darunter. Sie läuteten jede Viertelstunde ein, zwei und drei Mal und zu jeder vollen Stunde, die Anzahl der Stunden.

Das abendliche Grillen  am Ufer der Loire verlief zwar ohne Probleme. Aber am nächsten Morgen war der Fluss angestiegen und der Grill, der zum Abkühlen am Ufer stehen gelassen worden war, war in den Fluten verschwunden. Das mit dem Grillen am Abend hatte sich dadurch dann auch erledigt.

Alles in allem war es schon eine sehr abenteuerliche Tour und nach der Woche Wohnmobilurlaub war ich urlaubsreif. Doch trotz allem hatte  diese Art des Urlaubmachens uns fasziniert. Jeder Tag verlief anders. Immer wurden wir vor neue Herausforderungen gestellt. So viele Eindrücke hatten wir gesammelt.  Und das Gefühl, wenn ich am morgen das  Rollo hochzog, um festzustellen, wo wir am Abend zuvor unser Wohnmobil geparkt hatten, war einfach unbezahlbar.

Aus diesen Gründen wagten wir es im Jahr darauf noch einmal  ….auf Wohnmobiltour zu gehen. Auch wenn das erste Mal etwas gewöhnungsbedürftig war, sind wir seit dem mit dem Wohnmobil-Virus infiziert und können uns keine andere Art von Urlaub vorstellen.