„Oude Kanal“ Utrecht

 

Die Niederlande sind immer eine Reise wert“. Ich glaube diesen Satz habe ich mehr  als ein Mal geschrieben. Aber es stimmt nach wie vor,  und ich könnte gleich einen zweiten Satz anhängen:

„ Die Niederlande sind immer für eine Überraschung gut.“ Was so viel heißt, dass es immer mehr zu entdecken gibt, als man ursprünglich angenommen hat.

An diesem langen Fronleichnam-Wochenende treffen wir uns wie schon so oft, mit alten Freunden. Wobei sich das alt nicht unbedingt auf das persönliche Alter sondern viel mehr auf die zeitliche Dimension der Beziehung bezieht. Wir kennen uns seit  40 Jahren und haben alle Lebensphasen,wenn auch auf die Entfernung, aber gemeinsam durchlebt. Inzwischen sind wir gemeinsam seit vielen Jahren beim Wohnmobil fahren angelangt. Was liegt da also näher als ein gemeinsames Treffen mit dem Womo. Und jetzt kommen wieder die Niederlande ins Spiel. Die liegen nämlich strategisch günstig zwischen Hennef/Sieg und Löhne/Gohfeld. Wenn gleich wir den Vorteil haben, an solch neuralgischen Tagen  nicht komplett über den Kölner Ring und/ oder das Ruhrgebiet fahren zu müssen. Dagegen nimmt sich der stockende Verkehr um das Kreuz Lotte eher wie eine kleine Verkehrsbeeinträchtigung aus. Aber zurück zu den Niederlanden.

Unser diesjähriges Treffen sollte in Utrecht stattfinden. Eine Stadt, die beide Parteien nicht kennen und von der man sagt, dass sie ebenso schön wenn nicht noch schöner sein soll  als Amsterdam.

Bei der Wahl des Platzes überlassen wir seit einigen  Jahren nichts mehr dem Zufall. Dafür ist das Aufkommen am Platz suchenden Wohnmobilen einfach zu groß  geworden. Allein in diesem Jahr gibt es bisher über 30% Neuanmeldungen von Camping- Fahrzeugen. Darum wird im Vorfeld recherchiert und vorsichtshalber auch gleich reserviert. Da fallen die meisten Stellplätze schon einmal weg. Der Stellplatz in Utrecht und auch das dortige Stadtcamp gefielen uns im Vorfeld nicht unbedingt. Auch die Meinungen  im Netz dazu waren nicht unbedingt positiv. Dazu suchten wir eher ein etwas ruhiges Umfeld in der Natur und mit  ordentlich Platz vor der Tür.

Das Minicamp de Vliert in Bunnik  bei Utrecht, ein Vecabo Platz und Obstbauernhof,  schien da ganz ansprechend zu sein.

Vecabo Camp de Vliert: gepflegte Flächen und viel Platz und Ruhe

Und wir sind  bei unserer Ankunft nicht enttäuscht worden. Mit viel Engagement wurden wir begrüßt. Die Hausherrin ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich alle Einrichtungen und Angebote des Platzes zu zeigen und zu erklären. Inklusive Tipps für Ausflüge und Radtouren. Der Hausherr geleitete uns per Fahrrad anschließend zu unserem Platz. Und der war einfach nur Spitze.

Stellplatz

Über 100 qm, aufgeteilt in einen super gepflegten Rasen und eine Kiesfläche für das Fahrzeug sowie Wasser, Abwasser und Strom am Platz. In den umgebauten Ställen des Bauernhauses befinden sich großzügige, ansprechende und saubere Sanitäranlagen, eine Küche und ein moderner Aufenthaltsraum. Eine Fahrradgarage  sowie Entsorgungseinheiten für Müll, Toilette und Abwasser gibt es dort ebenso. Die ganze Anlage verfügt schätzungsweise  über 35 Plätze und ist liebevoll gestaltet und dekoriert.

Rezeption

Frische Eier von den freilaufenden Hühnern können ebenso erworben werden wie andere bäuerliche Erzeugnisse des Hofes. Mit der Auswahl des Platzes hatten wir auf alle Fälle voll ins Schwarze getroffen.

Freilaufende Hühner inklusive Hahn sorgen für ein frisches Frühstücksei

Frische Eier, Obst , Marmelade und Nüsse rund um die Uhr aus dem Automaten

Der erste Abend stand mehr im Zeichen des Wiedersehens nach einem Jahr als darin die Gegend zu erkunden.

Das holten wir am Donnerstag nach. Zunächst fuhren wir mit dem Rad ins 3 km entfernte Houten. Allein die Radtour dahin…..ein Vergnügen. Weitgehend Auto frei, auf toll ausgebauten Radwegen und gut ausgeschildert mit der für die Niederlande typischen Knotenpunkt-Übersicht. Da war es sehr einfach ins Zentrum von Houton zu finden. Hier war sehr zu unserer Freude Markttag.

Michael fand sehr schnell den Käsestand seines Vertrauens und deckte sich mit diversen Käsesorten ein. Aber auch  Brot und Obst wanderte in die Packtaschen des Fahrrades. Der Ort Houton ist sehr viel größer als wir zunächst angenommen hatten und hat sehr viele „Winkels“, kleine Läden mit allem, was das Herz begehrt. Aber auch nette Cafes und Restaurants sowie am Stadtrand einen See in einem Freizeitgebiet. Wen wundert’s, dass wir nach Marktbesuch und Stadtbesichtigung in einem Cafe direkt an einem Kanal später einkehrten.

 

Vorher allerdings waren wir beim VVV, der holländischen Touristinfo. Eine sehr nette Dame klärte uns ausführlich über die Sehenswürdigkeiten des Houtener Landes auf. Wir waren sehr erstaunt, was es alles zu besichtigen und zu besuchen gibt. Und das wir in ein Kirschenanbaugebiet der Niederlande geraten waren,  und die Kirschen zu dem auch noch reif waren, hatte im Vorfeld auch niemand geahnt.

Überall werden Kirschen verkauft

…oder Erzeugnisse des betreffenden Hofes in Bauernläden

Die Kirschenstadt Cothen liegt ebenso wie der Ort Wijk bij Duurstede, Houton und Bunnik im Umland von Utrecht und wird als „kromme Rijnstreek“ bezeichnet. Der kromme Rijn ist das Flussbett des alten Rheins, der zwischen Duuirstede und Utecht verläuft und vom Niederrhein abzweigt. Ab da heißt er dann  der Oude Rijn. Die Landschaft entlang des krummen Rheins ist geprägt von Obstbaumplantagen, Weiden und viel Natur mit kleinen Orten darin.  Viele Mühlen, Forts und Kastelle sind ebenfalls dort zu finden.

Wir besuchen auf unserer Radtour das Fort Vechten. Malerisch eingebettet in die Natur beherbergt es heute das Waterlinie Museum. Das Fort Vechten stammt aus dem Jahr 1869 umfasst 22 Gebäude und ist ein Teil der Hollandse Waterlinie.

Rundgang Fort Vechten und Waterlinie Museum

Nett fürs Auge und zum in Erinnerungen schwelgen war das „Ententreffen“ auf dem Parkplatz davor. Auf dem Rückweg waren wir wieder mal begeistert von den tollen Radwegen durch  die  Natur.

„Ententreffen“ auf dem Parkplatz

Den Freitag hatten wir uns für den Besuch von Utrecht ausgesucht. Sehr schnell, sehr schön und sehr sicher führte uns der Radweg mitten ins Zentrum. Beim VVV holten wir uns einen Stadtplan und bestaunten zunächst den Dom mit seinem separaten Turm.

Domturm

Der Turm gilt als der höchste der Niederlande.  Das Innere des Domes ist eher schlicht gehalten. Aber in den Niederlanden Leben ausnahmslos Protestanten und die haben und hatten es nicht so mit protzigen Kirchen. Zum Besteigen des Turmes fehlte uns allerdings  die nötige Motivation.

Klostergarten

Der Klostergarten im Inneren des Kreuzgangs,  wunderhübsch angelegt, war gerade Rastplatz für eine Schulklasse, deren Schüler in ihren orangen Warnwesten einen schönen Gegensatz zum Grün der Pflanzen bildeten.

Ausflugsziel Klostergarten

Die Straßen um die „Oude Gracht“ sind weitgehend autofrei. Aber die vielen Fahrradfahrer sind auch nicht ohne. Bei jedem Richtungswechsel muss man als Fußgänger doch sehr aufpassen, um nicht unter die Räder zu geraten. Unsere Räder hatten wir bereits beim VVV geparkt.

Oude Gracht Rondvarten

Die „Oude Gracht“ mit ihren Werftkellern, die heute jede Menge Gastronomie beherbergen, ist einzigartig. Viele der Keller sind auch als Appartements ausgebaut oder beherbergen Künstlerateliers. Hier unten an der Werft spielt sich in den Sommermonaten das touristische Leben ab.

Unser Sinn bestand darin, dass Ganze von der Wasserseite anzuschauen. Es gibt 1- stündige und  1 ½ -stündige Rundfahrten auf den Grachten. Wir entschieden uns für eine Stunde auf dem Wasser und bekamen für 11.50 € pro Person einen Platz auf dem nächsten Boot. Da  es Freitag war und das Wetter optisch auch nicht viel hergab, war der Besucherandrang in der Stadt und auch bei den Rundfahrten überschaubar..Ich könnte mir vorstellen, dass es zu anderen Zeiten durchaus turbulenter hier zugeht.

Die Bootsfahrt bescherte uns detaillierte Eindrücke über die Werften und ihrer Bewohner. Aber auch im weiteren Verlauf könnten wir die alten Speicher, die heute zu Luxushäusern mit Platz am Wasser umgebaut worden sind, bewundern.

Werftbewohner vor ihren Appartements

Appartements in den Werften

Der Kapitän gab zu allen Gebäuden und Plätzen Informationen und das sogar in drei Sprachen. An verschieden Stellen des Kanals besteht die Möglichkeit ein Kanu, Tret- oder Elektroboot auszuleihen, um die Kanäle und Grachten auf eigene Faust zu entdecken. Wenn die allerdings alle unterwegs sind, wird es eng auf dem Wasser.

Nach der Rundfahrt ließen wir uns durch die kleinen Gassen mit den vielen kuriosen Läden und Kneipen treiben. Zu sehen und zu staunen gab es an jeder Ecke etwas. Am späten Nachmittag radelten wir auf einer anderen, etwas längeren Route zurück.

Ausgefallene Location

Witzig und ausgefallen: Straßencafe in Utrecht

 

 

viele kleine Läden in den Straßen von Utrecht

mehr Tipps über Utrecht

Unsere Gastgeberin hatte uns bei der Ankunft empfohlen eine Radtour in das Kirschendorf Cothen und in die Stadt Wijk bij Duurstede zu unternehmen. Diesem Tipp  folgten wir am Samstag und begaben uns auf die, wie sich später herausstellte knapp 40 km lange Rund-Tour. Wunderschön ging es erneut durch die Natur. Wir folgten den Knotenpunkten. Michael hatte kurz zuvor eine App gefunden, in der man seine Radtour anhand der Eingabe der Knotenpunkten planen konnte und die von Knotenpunkt zu Knotenpunkt navigierte. So mussten wir nicht mehr auf den Karten nach der nächsten Nummer suchen.

Unsere Tour führte im wahrsten Sinne des Wortes durch den Obstgarten der Niederlande. Guts- und Bauernhöfe, sehr gepflegt und kreativ gestaltet, wechselten sich  mit großen Flächen voller  Obstbäume ab. Fast überall bestand die Möglichkeit einzukehren, um bei selbst gemachtem Eis, Kaffee und Obstkuchen eine Pause zu machen oder sich mit Kirschen und Erdbeeren und anderen bäuerlichen Produkten einzudecken. Im Gebiet des Krummen Rheins gibt es viele Bauernhofläden. Oft erzählen Bauer oder Bäuerin auch von ihrer Arbeit und man kann Kostproben nehmen.

In Cothen besuchten wir die dortige Windmühle, deren Flügel sich klappernd im Wind drehten.

Windmühle Cothen

Der „Müller“ ließ es sich nicht nehmen, uns seine Windmühle zu zeigen und deren Funktionen zu erklären und so bekamen wir noch einen grandiosen Blick über das Land.von der Galerie der Mühle. Im Mühlenshop gab es leckeres Brot zu probieren .Eine der Backmischungen , das „Kruidenkoek“  fand sich bei der Weiterfahrt in meiner Packtasche.

Auf der Galerie der Windmühle

Blick von der Galereie

Beim nächsten Halt waren es Kirschen, die in meine Tasche wanderten. In einer Kirschenplantage könnten wir nicht nur Kirschen in verschieden Sorten kaufen, sondern es gab auch Kirscheis, das man sich auf Bänken unter tragenden Kirschbäumen schmecken lassen konnte. Am Wochenende 24.6_ 25.6.2017 findet in Cothen ein großes Kirschenfest statt.

Kirschenplantage

Kirschenverkauf

Kirschen, Kirschen

 

 

 

 

 

 

..noch mehr Kirschen

Kirschen zum Naschen

 

 

 

 

 

 

Dann erreichten wir Wijk bij Duurstede, eine kleine turbulente Stadt gelegen am Kromme Rjin, Niederrhein und Rheinkanal. Im kleinen Hafen war nicht viel los,

Hafen Wijk bij Duurstede

…..dafür in der Innenstadt um so mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das gemeinsame Kaffee trinken gestaltete sich mangels Sitzplätzen in diversen Cafes zu einem schwierigen Unterfangen. In der Stadt gibt es viele kleine Läden und eine Straße, in der ausschließlich Künstler ihre Ateliers und Läden haben.

Verträumte Gassen in Duurstede

 

 

Auf dem Rückweg blies der Wind von vorn und nötigte allen ordentlichen  körperlichen Einsatz ab. Dafür schien am Wohnmobil wieder die Sonne, die sich in den letzten 1 ½ Tagen nur sehr verschämt gezeigt hatte .

 

 

 

Am Sonntag nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von unseren Freunden, nicht ohne bereits einen Termin fürs nächste Jahr gemacht zu haben. Und das Treffen wird höchst wahrscheinlich auch wieder in den Niederlanden stattfinden, in einer anderen Stadt, in einer anderen Gegend, die es dann wieder zu entdecken gilt.