Deventer

Das lange Wochenende mit dem Brückentag an Himmelfahrt oder zu Fronleichnam ist ein ideales Womowochenende für eine ausgedehnte Wohnmobiltour. Es hat nur den Nachteil, dass ganz, ganz viele Wohnmobile unterwegs sind und ein schönes Plätzchen suchen. Wenn man wie wir nicht unbedingt auf Kuschelcamping steht und nicht bei der Ankunft genervt nach einem Stellplatz suchen will, sind bei der Auswahl des Ziels ein paar Vorüberlegungen nicht schlecht.

Wir lieben es nach Holland zu fahren, würden aber nach eigener Erfahrung nicht unbedingt am Himmelfahrtswochenende dort hinfahren. Himmelfahrt ist in Holland auch ein Feiertag. Die Niederländer, von je her ein reiselustiges Völkchen und vermehrt mit Wohnmobil statt mit Wohnwagen unterwegs sind, wenn sie nicht gerade rüber nach Deutschland gefahren sind, auf den meisten Stellplätzen auch sehr präsent. Dabei haben sie den Heimvorteil.

Aber Fronleichnam, in Holland Sakraments-Dag genannt, wie uns der Fährmeister der Ijssel-Fähre letztes Jahr erzählte, ist kein gesetzlicher Feiertag. Klar- bei den vielen Protestanten dort.  Also ideal für ein  langes Holland-Womo-Wochenende.

Nun musste nur noch eine schöne Gegend gefunden werden, die an diesen Tagen nicht von den Deutschen überrannt wird,

Unsere Wahl fiel im letzten Jahr deshalb mal wieder auf die Ijssel. Hier hatten wir schon häufig schöne Plätze gefunden.( zB. in Hattem, Elburg,oder Wjihe).

Und zwar wollten wir uns die Gegend um die alte Hansestadt Deventer, das sogenannte Salland einmal genauer ansehen. Der Stellplatz, den wir ausgesucht hatten, liegt am Rande eines kleinen Vecabo- Camps in Welsum, ca 10 km hinter Deventer in Blicknähe zur Ijssel-Fähre.

Da wir den Mittwoch vor dem Feiertag erst gegen späten Nachmittag losfahren konnten, wir gehören leider noch zu der sich auf den Ruhestand hinarbeiten Bevölkerungsgruppe, suchten wir an der Grenze in Gildehaus den Stellplatz an der Ostmühle auf und waren angenehm überrascht. Viel Natur und ein Blick bis in die Niederlande, viele ausgewiesene Rad- und Wanderwege- auch bis nach Holland sowie eine nette Gastronomie an der Mühle. Im Backhaus wird noch regelmäßig Brot gebacken und die Mühle kann besichtigt werden. Der Ort Gildehaus ist zwar klein aber mit seinem schon niederländischen Flair bietet er alles, was man so sucht oder benötigt.

Am nächsten Tag waren die restlichen 100 Kilometer nur noch ein Gucken und schon standen wir an der Fähre in Olst, die uns über die Ijssel nach Welsum bringen sollte. Die ist zwar für Fahrzeuge bis 20 t zugelassen, aber es ging ganz schön steil hinunter. Der Fährmeister hatte wohl gesehen, wie wir uns vorsichtig hinunter getastet haben. Auf alle Fälle rief er, das wir warten sollten und stellte die Rampe eine ganzes Stück höher. Alles Gut!!  Allerdings bei der Rückfahrt haben wir später die Brücke in Deventer benutzt. Auf alle Fälle haben wir auf diese Weise bereits die erste Schifffahrt des Tages gemacht. Der Fährpreis mit 3,80 € war ganz ok. Da haben wir in Deutschland schon wesentlich mehr für eine “Flusskreuzfahrt” bezahlt.

 

Gegenüber dem Fähranleger oben auf dem Ijsserldeich liegt das Cafe und Restaurant Stuurmanskolck mit angeschlossemp Camp und Womostellplatz. Wir haben uns im Restaurant angemeldet und  haben nach dem Bezahlen (Vorsaison All-in 10,50€ pro Tag plus 0;50€ Touristenabgabe pP) einen elektronischen Schlüssel, der die Schranke zum Camp und damit die Durchfahrt zu den Stellplätzen jederzeit öffnet, bekommen. Bei der Abfahrt muss er einfach in den Briefkasten an der Schranke deponiert werden. Dadurch ist das Womo zeitlich unabhängig in der Abreise.

Das Camp hat 40 Plätze auf der Wiese für Campinggäste, 10 komfortable Hütten und 20 super schöne Stellplätze für Wohnmobile mit gepflasterterter Stellfläche und großem Rasenplatz davor. Jeder Stellplatz hat Wasser! und Strom am Platz und freies WiFi gibt es auch. Ein kleines, sehr gepflegtes Sanitärgebäude rundet mit 2 Duschen und Toiletten je Männlein und Weiblein sowie einem Solarium und einer kleinen Sauna den Luxus ab. Und .. falls “Große Wäsche” ansteht, Waschmaschine un Trockner gibt es auch und sind im Preis enthalten. Von den 20 Plätzen war bald der Erste besetzt: durch uns. Das heißt, nachdem wir uns endlich für einen entschieden hatten.

Durch die Hecke am Platz kann man auf einen kleinen Badesee mit Steg schauen. Ein paar Tretboote warten auf die Dinge, die da kommen oder nicht kommen. Auf dem Camp standen bei unserer Ankunft insgesamt vielleicht 6 Wohnwagen.

Am Nachmittag haben wir die erste Radtour unternommen. Radfahren vom Feinsten …entlang der Ijssel auf dem Ijsselldeich und durch die schönen Dörfer, vorbei an großen Bauernhöfen, alten prächtigen Landhäusern und vielen Windmühlen. Das holländische Radwegnetz mit seinen Knotenpunkten führt sicher und problemlos durch die Natur.

Das Besondere hier sind die sogenannten “Rustpunte” . Bei insgesamt 60 landwirtschaftlichen Betrieben im Einzugsgebiet der Gemeinden Deventer, Olst-Wijhe, Raalte, Hellendoorn und Rijessen-Holten sind an schönen Stellen der Fahrrad- und Wanderrouten diese Rastpunkte eingerichtet worden. Der Rastsuchende findet dort immer zwei Bänke und einen Tisch, auf dem Thermoskannen  mit Tee und Kaffee sowie Limonade  stehen. Ein sogenannter “Offerblock”nimmt gern dafür einen Spendenbeitrag. Zudem kann man an diesen Stellen auch landwirtschaftliche Produkte aus eigener Herstellung kaufen oder den Bauernhof besichtigen. Hier kann man die Sallandse Gastfreundschaft mit viel Freude erfahren.

Die tollen Blockhütten in unserer Nachbarschaft inspirierten uns dazu,  unsere Kinder nachkommen zu lassen. Die Hütten bieten Platz für 4 Personen und sind mit allem Notwendigen ausgestattet. In der Vorsaison liegt der Preis pro Nacht bei 47€. Eine super Möglichkeit mit Freunden oder Famile ein Wochenende zu verbringen, auch wenn diese kein Wohnmobil haben.

Am Freitagmorgen fuhren wir dann zu viert und mangels genügender Räder mit dem Auto die 10 Km nach Deventer zum Einkaufen auf dem Wochenmarkt und anschließendem Bummel durch die Altstaft. Die Waalstraat ist eine der schönsten Straßen und beherbergt viele kleine und ausgefallene Läden, Kneipen und Cafes. Wer möchte kann in Deventer auch an Bord gehen und mit  einem der Ausflugsschiffe die Ijssel befahren.fuhren

Vollgepackt mit unseren Wochenmarkt-Einkäufen kehtren wir am späten Nachmittag zum Stellplatz zurück, um am Abend alles auf den Grill und in die Pfanne zu werfen und den Tag angenehm und ruhig ausklingen zu lassen.

Am Samstag nach dem Frühstück ging es zu Fuß und mit der Fähre in den gegenüberliegenden Ort Olst. Ein geschäftiges, kleines Städtchen, in dem gerade auch Wochenmarkt war. Und…. hier fand ich auch meinen Lieblings-Stöber-Krims-Kram-Laden “Action”. In Olst findet man verschiedene Supermärkte, Cafes und Gastronomie. Die Fahrt mit der Fähre kostet 0,40 €.

1€ bezahlte ich am Nachmittag für die Fähre, denn ich hatte dieses Mal das Rad dabei. Ich durchsteifte noch einmal den Ort und geriet dabei in eine Open-Air-Veranstaltung, bevor ich an der Ijssel Richtung Wijhe weiter fuhr. Zweimal hatte ich dabei die Möglichkeit mit einer Fähre wieder die Seite zu wechseln. Eine schöne Radtour. Viel zu schnell  ging selbst so ein gaaaanz langes Wochenende zu Ende .

Diesen Stellplatz werden wir sicherlich wieder aufsuchen. Es hat uns prima gefallen. Wie es hier in der Hauptsaison zugeht, kann ich nicht sagen, aber in der Vor-und Nachsaison wirklich empfehlenswert.

 

Camping De Stuurmanskolck

Adresse: IJsseldijk 85, 8196 KC Welsum, Niederlande