Orange/Provence Camping Manon

LÁrc de Triomphe

Am Morgen ist großes Packen auf dem Platz. Auch bei uns geht es heute weiter. Fünf Tage waren wir in der Cala Montgó und es hat uns gut gefallen. Nur Sonne hätte es etwas mehr geben dürfen. Die Temperaturen sind weiter gestiegen. Prompt überascht uns noch ein Gewitter kurz vor der Abfahrt. Es ist zunächst wenig Verkehr und wir können auch den Dieseltank bequem füllen , bevor wir ins teuere Frankreich kommen. Ansonsten begleitet uns eine geschlossene Wolkendecke, aus der es hin und wieder tropft, auf unserem Weg zur Grenze. Es blüht und grünt überall. Große Flächen mit gelben Raps lösen sich mit dem Klatschmohn -Roten- Wiesen ab. Gelber Ginster steht in voller Blüte und beschattet Büschel von lilafarbenen Blumen, die ich nicht kenne. Dazwischen die verschiedenen Grüntöne von Nadelbäumen, Gras und Büschen. Eine wunderschöne Frühlingslandschaft, die nur einen Makel hat: es fehlt der blaue Himmel und die Sonne. Es ist schon paradox, je weiter wir nach Norden kommen, umso wärmer wird es. Wir kommen nach Orange und werden gleich vom Wahrzeichen der Stadt, dem L’Arc de Triomphe, empfangen. Früher führte die Straße mitten durch den Bogen. Heute dürfen wir drumherum fahren. Gegen 14 Uhr erreichen wir den kleinen Stadtcamping. Die Rezeption ist nicht besetzt. Wir können uns einen Platz aussuchen. Es sind schöne große Wiesenplätze, auf denen Marienblümchen blühen und die mit Hecken umgrenzt sind. Eine wunderbare Ruhe liegt über allem. Es ist einer dieser Plätze, die wir gern mögen. Klein, es gibt insgesamt 45 Plätze, ohne allem Schnickschnack, stadtnah und nicht teurer als bei uns inzwischen so mancher Stellplatz. Ein paar Plätze sind schon besetzt. In erster Linie Kastenwagen. Nach einem Rundgang finden wir einen schönen Platz und stellen gleich die Stühle heraus. Wir haben 26 Grad, und im Halbschatten der Pinie lässt es sich fantastisch von der Fahrt ausruhen. Gegen 16.00 Uhr melden wir uns an der Rezeption an. Man(n) spricht französisch. Ausschließlich! Aber nach meinen französisch formulierten Bemühungen, uns anzumelden, schlüpft doch mal das eine oder andere englische Wort heraus. Morgen früh, versichert er uns, sei seine Sekretärin da, und er malt dazu die ausschweifenden Rundungen einer Frau in die Luft, die könne etwas Englisch.Wir bleiben erst einmal eine Nacht. Mal schauen, wie das Wetter sich so entwickelt. Im Laufe der nächsten Stunden trudeln noch einige Wohnmobile ein. Am späten Nachmittag besuchen wir dann die Stadt. Die Altstadt ist fußläufig (ca. 2km) entfernt und diese Entfernung ist durchaus auch Michael zuzumuten. Es ist wenig los auf den Straßen und Gassen. Der Feiertag! Wir laufen die Avenue d’ Arc de Triomphe hinunter. Eine Brücke führt über einen die Altstadt umgebenden Fluss. Die Häuser haben den maroden Charme des Südens. Die Kathedrale Notre Dame de Nazareth, deren Portal typisch für die romanisch-provenzialische Kunst ist, und die als Baudenkmal zuerst unseren Weg kreuzt, scheint irgendwie zwischen den Häusern eingeklemmt zu sein. Wir kommen am Hotel de Ville vorbei und erreichen den Place de la République. Hier hat die Gastronomie ordentlich aufgefahren. Viele Lokale laden zum Besuch unter den Markisen ein. Aber es ist kaum etwas los. Im Vorbeischlendern studieren wir die ausgehängten Speisekarten. Dann erreichen wir das berühmte Amphietheater. Das Theater wurde zu Beginn unserer Zeitrechnung erbaut und ist das am besten erhaltene Theater aus Stein. Wie schon zur Zeit der Antike, kann dieses Theater bis zu 9000 Zuschauer pro Vorstellung fassen. Leider ist es schon geschlossen und wir können uns nur von außen einen Eindruck über die grandiose Baukunst verschaffen. Beim Anblick der dicken Mauern frage ich mich nicht das erste Mal, wie man das ohne technische Hilfsmittel geschafft hat. Auf dem Place des Frères Mounet fällt uns eine gewaltige Statue auf, die den Geist der Antike symbolisiert, der die Flamme der Kunst dem modernen Genie übergibt.
Mehr kunsthistorische Interesse kann ich für heute nicht verlangen, denn Michael hat Hunger, und so schließen wir die Runde wieder am Place de la Republique in einem Restaurant bei einer wirklich leckeren Pizza. Kurze Zeit später setzt sich ein Ehepaar aus Vechta, das wir auf dem Campingplatz an der Rezeption kurz gesehen haben, an den Nachbartisch und ein angeregtes Gespräch entsteht. Sie sind von der Cote Azur vor dem Wind geflohen.
Michael möchte morgen noch bleiben, auch wenn uns die Schlechtwetterfront mit einzelnen Schauern hier einholen wird. Bereits in der Nacht fängt es an zu regnen. Aber da stört es uns weniger.


Orange/ Amphitheater

Der Morgen beginnt verhangen. Wir schlafen aus und frühstücken schön. Die Temperaturen sind um 10 Grad gefallen und über den Vormittag verteilt gibt es immer wieder kleinere Schauer. Die geplante Radtour nach Caderrousse, einem kleinen Dorf an einem See, fällt so zu sagen ins Wasser. Dafür mache ich eine “Schütteltorte”. Geht wirklich total schnell. Gegen Mittag zeigt sich die Sonne, und da will ich die Zeit nutzen für einen kleinen Bummel zum Aldi, den ich gestern unterwegs gesehen habe. Als ich dort ankomme, ist der Parkplatz rappelvoll und im Inneren kann ich vor lauter Menschen kaum die Waren sehen. Ein Stimmengewirr wie auf einem orientalischen Basar umgibt mich. Dazu passen auch die vielen Frauen in ihren Burkas, mit Schleier oder wenigstens mit Kopftuch bekleidet, die plärrende Kleinkinder im Einkaufswagen zusammen mit diversen Kartons durch die Reihen bugsieren. Ich sehe Regale voller Elekrokleingeräte…..aber wo ist der Salat, den ich holen wollte? Wo sind überhaupt die Lebensmittel? Gibt es noch andere Räume? So langsam dämmert mir, dass das hier kein normaler Aldi ist. Das hier ist ein Aldi- Schnäppchenmarkt, in dem überzählige Aktionsartikel für ganz wenig Geld verkauft werden. Na, wenn ich schon hier bin, dann will ich auch nach einem Schnäppchen schauen. Und so drängele ich mich durch die Massen, vorbei an vollgefüllten Wagen und palavernden Menschen. Gucken geht kaum. Eigentlich will ich nur noch raus. Aber da sehen meine Augen ein Fensterputzset mit Teleskopstil, abwinkelbar und mit drei verschiedenen Vorsätzen für 2,50 Euro. Genau das Teil fehlt mir, um unsere mit Saharasand voll gespritzte Windschutzscheibe bequem und ohne Leiter säubern zu können. Die Zeiten, wo der Regen gleich zu setzen war mit sauberem Wasser, scheinen auch vorbei zu sein. Heute kommen die Wolken mit feinen Sandpartikeln daher, und die sorgen nicht nur für schmutzige Scheiben, sondern auch für das untypische Frühjahrswetter hier im Süden.
Michael freut sich auf alle Fälle über mein Schnäppchen und fängt sofort an Fenster zu putzen. 🙂 Salat habe ich allerdings trotz weiterer Suche nach einem Geschäft nicht bekommen können. Dafür eine Schule entdeckt, deren Fassaden ca 10 m hoch zum Klettern genutzt werden. Wer da wohl in die Luft geht? Lehrer oder Schüler? Und typisch deutsch: wie ist das mit Aufsicht und Versicherungsschutz? Könnte ja mal wer herunterfallen.
Am frühen Nachmittag können wir in der Sonne sitzend Kaffee trinken und meine Torte essen. Dann aber geht es in die Stadt. Schließlich sind wir ja nicht umsonst hier. Das Amphietheater steht auf dem Programm. Die nächsten 2-3 Stunden werden wir per Audioguiede in die verschiedenen Epochen des Theaters entführt, erfahren viel über die Römer, die waren ja auch keine Kinder von Traurigkeit, wenn ich es mal so formulieren darf, und auch über die Nutzung in der jetzigen Zeit. Es ist ganz schön spannend, und eine Videoshow im Inneren des Gewölbeganges der Außenmauer zeigt Aufnahmen der Konzerte von Klassisch bis Rock. Immer höher hinauf lotst uns der Audioguide mit seinen Erklärungen. Nicht unbedingt etwas für Michael. Aber er hält es tapfer durch. Nur als sich an der Bühnenrückwand, die zur Zeit renoviert wird und eingerüstet ist, ein Bauarbeiter mit einer Leiter in gut 30 m Höhe mit einem Hammer zu schaffen macht, kann er da grade nicht hinsehen.
Übrigens, den Kopf auf der Kaiserstatue hat man damals auswechselbar gemacht. So brauchte nicht immer eine neue Statue erschaffen und aufgestellt werden. Es rollten halt damals die Köpfe so oder auch so.
Direkt neben dem Theater wurde noch einen griechischen Tempel ausgebuddelt, dessen Widmung aber noch nicht ganz geklärt ist. Heutzutage wohl in erster Linie den Touristen gewidmet, von denen im Moment nicht allzu viele zu sehen sind. Leider hat das ” La Grotta”, ein Lokal, wegen der Reservierungsarbeiten geschlossen. Hier, oberhalb des Tempels, in dem Gewölbe der Theatermauer, kehren auch die Einheimischen gern auf ein Gläschen ein.
Der Eintritt ins Theater ( 9,50 € ) beinhaltet auch den Besuch im gegenüberliegenden Kunstmuseum. Das besuchen wir dann allerdings ohne einen angebotenen Audioguide zu nutzen. Wir wollen schließlich irgendwann mal wieder zum Wohnmobil. Und so schauen wir uns die ausgestellten Exponaten mit großer Erfurcht vor den Archäologen an, die hier an riesigen Puzzlen ohne Vorlage gearbeitet haben, um all die Vasen, Schälchen, usw. zusammenzusetzen. Hier hängt übrigens auch die älteste Katasterzeichnung unserer Zeitrechnung an der Wand. Neu war mir auch der Zusammenhang der Stadt Orange mit dem niederländischen Fürstengeschlecht derer von Oranjen, die ihren Namen von dieser Stadt haben. Reisen bildet eben.
Am Abend sind wir voll von geschichtlichem Input, dafür aber leer im Magen.
Zurück am Womo, können wir noch draußen sitzen, den Hunger mit Grillen beseitigen und dabei Neuankömmlinge beobachten.


Schloss Camping Château de L’Epervière

Die Regenfront hat uns eingeholt. Schon in den frühen Morgenstunden trommelt der Regen auf das Wohnmobildach und der Krach hindert uns am Weiterschlafen. Wir hoffen, dass der Wiesenplatz das viele Wasser aufnehmen kann. Aber die Sorge ist unbegründet. Wir kommen ohne Probleme vom Platz. Nur zum Drehen in Fahrtrichtung ist das Gespann zu lang, und da stehen auch noch Bäume im Weg. Also kurz abkoppeln, das Wohnmobil durch die Bäume bugsieren und dann den Hänger wieder festmachen. Natürlich…..den ganzen Morgen fährt niemand weg, aber in dem Moment, in dem wir am Rangieren sind, wollen gleich zwei Autos vorbei. Aber sie müssen warten, bis wir fertig sind. Der Regen hält an und begleitet uns auch auf der Autobahn weiter. Es ist kein schönes Fahren. Regen, Wind und viele LKWs. Die schöne Landschaft grau und trist. Heute wollen wir gut 350 km bis in die Bourgogne fahren. Michael hat einen Campingplatz an einem Schloss in der Nähe der Saône herausgesucht. Etwas aufregend wird es noch in Lyon. Es herrscht viel Verkehr, denn die Autobahn führt durch die Stadt. Kurz vor Dijon, in Tournous, fahren wir ab. Sofort nehme ich das satte Grün der Wiesen und Bäume wahr. Große Fächen sind mit gelbem Raps bepflanzt. Es geht durch kleine Orte und enge Gassen. Dann taucht das Schloss mit seinen Gebäuden auf. Ein großer Parkplatz ermöglicht ein unkompliziertes Halten vor der Rezeption. Es ist kurz vor 14.00 Uhr als wir in den wunderschönen Schlosspark mit Seerosen-und Angelteich fahren, um uns einen Stellplatz zu suchen. Ein Platz ist schöner als der andere und alle sind riesig. Wir stellen uns mit Blick direkt auf den See. Einfach nur schön. Und wie von Zauberhand hört der Regen auf und die Sonne schaut heraus. Zeit das Anwesen einmal näher in Augenschein zu nehmen. Außer den tollen Plätzen im gepflegten Park und den Teichen, gibt es noch eine Badelandschaft außen sowie innen, eine Bar, einen Laden, einen Weinkeller zur Weinprobe, denn hier wird auch eigener Wein angebaut und ein sehr gutes Restaurant.
Jetzt möchte ich gern noch den dazugehörigen kleinen Ort besuchen und an die Saône gehen, die nicht weit entfernt vorbei fließt. Michael reicht die Bewegung, die er bei der ausführlichen Schlossbesichtigung gehabt hat, aus. So mache ich mich allein auf den Weg. Zunächst zur Kirche. Leider ist sie verschlossen. Beim Gang durch den Ort bemerke ich an einem Haus eigenartige Figuren und Gegenstände aus einem undifinierbaren Material. Hier wohnt und arbeitet wohl ein Künstler. Inzwischen hat es sich wieder bewölkt. Aber ich möchte trotzdem noch an die Saône. Kurz bevor ich den Fluß erreiche, erschreckt mich ein lautes Donnern. Ich drehe mich um. Hinter mir hat sich ein dunkler Wolkenberg aufgetürmt, aus denen die ersten Blitze zucken. Oh je! Gewitter sind nicht unbedingt etwas, was ich im Freien erleben möchte. Aber das kurze Stück zum Fluß laufe ich doch noch. So schnell wird es ja nicht da sein, hoffe ich. Die Saône liegt aufgewühlt und dunkel in ihrem Bett. Weit entfernt kann ich einen kleinen Hafen erkennen. Hinter mir wird das Donnergrollen immer heftiger. Ein ordentlicher Wind setzt noch ein. Jetzt aber nichts wie zurück zum Wohnmobil. Kurz bevor ich den Campingplatz erreiche, setzt ein Platzregen ein. Das Gewitter ist genau über mir. Gut, dass ich die Regenjacke mitgenommen habe. So hält sich das Nasswerden noch in Grenzen. Genau so schnell wie es aufgezogen ist, ist das Gewitter wieder verschwunden und die Sonne lacht von einem wolkenlosen, blauen Himmel. Wir stellen die Stühle vor das Wohnmobil und genießen die Sonne am späten Nachmittag. Gegen Abend höre ich plötzlich ein gewaltiges Rauschen. Was ist das? Kein Auto. Kein Flugzeug. Mein Blick wandert aufwärts. Der Himmel blau. Die Sonne scheint. Aber die Kronen der Bäume werden wie durch eine unsichtbare Hand heftig hin und her geschüttelt. Ein Sturm hat plötzlich eingesetzt, den ich, geschützt vom Wohnmobil, nur an dem unheimlichen Rauschen bemerkt habe. Bald wird der Wind so heftig, dass wir einräumen müssen. Die ganze Nacht tobt der Sturm und rüttelt das Wohnmobil hin und her. Von den Bäumen fallen Laub und kleinere Äste. Da wir uns einen sonnigen Platz ausgesucht haben, brauchen wir vor herunterfallenden Ästen oder umstürzenden Bäumen keine Angst zu haben. Es wird dennoch eine etwas unruhige Nacht.

Spaziergang entlang der Saône

War die Nacht durch den Sturm auch sehr unruhig, so begrüßt uns die Sonne wieder am Morgen. Nur die geplante Roller- oder Fahrradtour können wir vergessen: es stürmt so heftig, dass es mit dem Roller viel zu gefährlich würde und mit dem Rad kämen wir nicht von der Stelle. Also bleiben nur noch die Füße, die wir nach dem Frühstück für einen langen Spaziergang entlang der Saône einsetzen. Heute sieht sie nicht mehr so abweisend grau aus. Doch der starke Wind häuft hohe Wellen an, die wie kleine Fontänen auf das Gras der Uferböschung schlagen. Im Hafen liegen ein paar Schiffe vor Anker, die hier wohl den Sturm abwarten. Ich werde schon beim Anblick, der im Wasser auf und ab hüpfenden Schiffe, seekrank. Im Hafen gibt es ein Restaurant und von hier starten auch Schiffsfahrten auf dem Fluss. Angesichts des Windes aber sind die heute nicht so gefragt. An der Saône führt Kilometer weit ein Rad und Wanderweg entlang. Wir aber schlagen irgendwann den Weg durch die Felder und zu den kleinen Orten ein, auf dem wir zum Schloss zurückkehren. Der Wind hat nachgelassen und so kann ich noch ein wenig vor dem Wohnmobil lesen. Am Nachmittag holt uns der Regen wieder ein. Und es regnet ohne Unterlass. Zeit zum Schreiben. Meine Beiträge, für die in diesem Jahr erscheinende Anthologie- die Deadline zur Abgabe ist Anfang Mai, habe ich durch den Regennachmittag auch fertig bekommen. Fotos sortieren und löschen;-), Kuchen backen und Kochen. Alles ohne Eile und Termindruck. Das ist für mich auch Urlaub. Wir haben uns damit gefundem, dass die zweite Urlaubswoche etwas anders verläuft als geplant, nehmen jeden Tag, wie er kommt und machen das Beste daraus. Morgen früh wollen wir zeitig aufbrechen. Unser Ziel ist Saarburg. Das sind über 500 km und wir wollen möglichst in der Mittagszeit ankommen.


Saarburg

Wie geplant, geht es am Morgen zeitig los. Bereits um acht Uhr sind wir unterwegs durch ein wolkenloses Burgund . Die Sonne lacht, als hätte sie nie etwas anderes getan. Es gefällt mir, diese Gegend noch einmal so frühlingshaft zu sehen. Den Platz werden wir uns als Übernachtungsplatz ganz bestimmt merken. Michael hat es heute geschafft, das Wohnmobil samt Hänger auszuparken. Das macht er schon recht perfekt. In Charlon Süd fahren wir auf die Autobahn Richtung Dijon. Mit zunehmenden Kilometern Richtung Norden wird es bewölkter und die schöne Sicht verschwindet. Wir spielen immer etwas Hase und Igel mit dem Regen und dem schlechten Wetter. Meist sind wir schneller und erwischen noch den sonnigen Teil, bis uns der Regen einholt. Hoffentlich ist es auch heute so. Die Fahrt verläuft unspektakulär. Fast unspektakulär. In Frankreich müssen wir noch einmal tanken. Michael rechnet genau aus, wieviel Liter er benötigt, um damit bis nach Luxemburg zu kommen.
Kurz vor Luxemburg macht es auf einmal “Klack”. Das Geräusch kennen wir doch noch vom letzten Jahr. Mitten auf der Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite ist ein kleines Loch in der Scheibe zu sehen. Steinschlag! Jetzt brauchen wir wohl wirklich eine neue Scheibe.
Als heutiges Ziel haben wir uns Saarburg ausgesucht. Kurz nach der Grenze, in Luxemburg, führt uns das Navi allerdings in Richtung A13 /A8. Auf dem folgenden Stück gibt es weder billigen, noch überhaupt Diesel. Auch auf deutscher Seite keine Tankstelle in Sicht. Dafür geht es ordentlich bergauf in die Höhen des Hunsrück. Bei Metternich fahren wir ab. Die Landstraße führt steil bergab hinunter zur Saar und in den Ort, vorbei am “Villeroy und Boch- Outlet” und am Stellplatz “Am Brauhaus. Über 20 km entlang der Saar und ihren Schleifen geht es, bis wir Saarburg erreichen. Wir fahren auf den Platz und das Womo schreit laut nach Diesel. Die Reservelampe leuchtet. Über uns fängt gerade noch etwas Anderes anzuleuchten: Die Sonne. Für heute bleibt sie uns erhalten. Morgen kommt der Regen, aber dann fahren wir wieder.
Jetzt suchen wir einen Platz für Womo und Hänger. Ein wenig Rangieren, und schon haben wir beides stehen. Gerade wollen wir die Campingmöbel in die Sonne stellen, als unser Nachbar uns darauf aufmerksam macht, dass der Hänger hier nicht mit auf den Stellplatz darf. Er hätte seinen gestern Abend noch bei strömendem Regen entfernen müssen. Welches Glück, dass wir genau vis-a-vis vom Hängerparkplatz stehen. Mit vereinten Kräften, das Paar aus dem Nachbarwomo packt dankenswerter Weise mit an, schieben wir ihn auf die erwünschte Parkfläche.
Nach der Anmeldung und dem Kaffeetrinken zieht es mich in den Ort, der ca 1-2 km entfernt liegt. Dort am Anleger liegt außer dem Rundfahrt- auch ein kleines Flusskreuzfahrtschiff vor Anker. Es handelt sich um ein Rad -und -Flussboot. Die Passagiere kommen jetzt am Nachmittag gerade mit ihren Rädern zurück und haben vor dem Abendessen noch Zeit, den Ort zu besuchen. Die Räder werden ihnen von fleißigen Mitgliedern des Stuffs abgenommen, gereinigt! und wieder an Bord gebracht. So eine Fahrt könnte mich auch interessieren. Deshalb besorge ich mir von einem Mitarbeiter ein Prospekt.
Dann geht es in die Altstadt zur Wassermühle und dann den Laurinsberg hinauf zum Wasserfall. Sehr schön. Rund um die Leuk, die an dieser Stelle ca. 30 m in die Tiefe stürzt und dabei auch über Rinnen die Wasserräder antreibt, sitzen Menschen in Cafés und Restaurants in der Sonne. Ich widerstehe der Versuchung mich dazuzusetzen und bummele weiter durch die Gassen, bis ich zur Burgruine komme. Natürlich muss ich die Aussicht von ganz oben genießen und habe die Aussichtsplattform ganz für mich allein. Wie lange bin ich eigentlich schon unterwegs? Schnell Michael anrufen und fragen, ob er seine Mittagsruhe beendet hat, und was sein weiterer Plan ist. Er möchte gegen Abend in die Stadt und dort essen gehen. Ich verspreche innerhalb der nächsten Stunde zurückzukommen, verliere mich dann aber wieder in der Betrachtung der Häuser und Gassen. Dann fällt mir ein, dass ich ja gesagt habe, dass ich noch einkaufen wollte. Oh je. Natürlich schaffe ich es nicht in einer Stunde und Michael ist etwas verschnupft. Aber kurze Zeit später, ich musste nur kurz einmal die Schuhe wechseln, die bereits knapp 10 km auf der Sohle haben, geht es in der Abendsonne zurück in den Ort. Wir können draußen sitzen. Dabei fällt uns ein sonderbares Phänomen auf. Alle Tische drinnen wie draußen sind in der Zunftstube vollbesetzt, und man muss Gäste fortschicken. Genau nebenan sitzt niemand, weder drinnen noch draußen und das, trotz ähnlicher Möblierung und Speisekarte. Alle steuern sofort auf die vollbesetzten Tische zu und lassen die leeren außer Acht. Liegt es an der Farbe? Rot bei dem vollbesetzten Lokal. Weiß bei dem Leeren. Oder ist es einfach nur eine menschliche Eigenschaft, sich dort hingezogen zu fühlen, wo schon andere sind? Das beobachtet man ja auch häufig auf Wohnmobilstellplätzen.
Als wir mit dem Essen fertig sind und noch entlang der Leuk bummeln, sehen wir, wie das enttäuschte Personal die Decken und Dekos der Terrasse wieder abräumt.
Wir aber beobachten beim Rückweg noch den Sonnenuntergang, der die kleinen weißen Wölkchen am Himmel rosa färbt. Morgen kommt der Regen, da fahren wir ihm wieder davon.


Rolling Home

Wie erwartet, ist das schöne Wetter heute morgen verschwunden. Wir frühstücken in aller Ruhe, koppeln den Hänger an und dann geht es los, zurück nach Hause.
Der Regen hat gnädiger Weise gewartet, bis wir mit den Outdoor- Arbeiten fertig sind. Dann aber heftet er sich mit der Hartnäckigkeit einer Klette an uns fest und begleitet uns. Die schönen Weinberge, die Saar, die Landschaft, durch die wir fahren, alles grau.
Zunächst kommen wir zügig voran. Die LKWs fahren heute nicht, aber es Rückreiseverkehr. Besonders, als wir Nordrhein-Westfalen erreichen, nehmen die Hinweise im Radio, die über Staus informieren, kein Ende.
Während der Fahrt habe ich Zeit, ein kleines Fazit über die vergangenen Tage zu ziehen: Wir haben wieder viel gesehen, viele Eindrücke sammeln können und auch Menschen kennengelernt, die ihre eigenen Geschichten haben. Und…..wir haben uns in dieser Zeit gut erholt.
Die Fahrt ist, insbesondere in der 2.Woche anders verlaufen als wir es geplant haben. Trotz Wetterapp, damit konnte niemand rechnen, dass das schönere Wetter sich zu Hause abspielen würde. Die erste Woche war ganz ok. Obwohl es auch da längst nicht so warm war, wie erhofft. Dadurch waren wir sehr aktiv. Wir haben tolle Rollertouren gemacht und die Gegend auch zu Fuß und mit dem Rad kennengelernt. In der zweiten Woche haben wir mal wieder bemerkt, wie fexibel man doch mit einem Wohnmobil ist. Wir haben uns einfach an der Wetterkarte orientiert und uns Zeit genommen für Orte, die wir immer schon einmal sehen oder besuchen wollten. Wir sind der Schlechtwetterfront immer ein kleines Stück vorausgefahren und haben so noch schöne und sonnige Stunden gehabt.
Natürlich ist es nicht so toll, wenn man Hunderte von Kilometern fährt und Zuhause ist es wärmer und schöner. Aber wir haben es akzeptiert, versucht uns nicht zu ärgern und enttäuscht zu sein und es als Chance für andere Erlebnisse zu sehen. Dadurch war die Stimmung immer gut.
Jetzt müssen wir auch noch die restlichen 100 km unfallfrei nach Hause kommen. Das ist nicht buchbar. Auch wenn man immer davon ausgeht.
Reisen ist von jeher auch immer mit Gefahren verbunden. Ganz selbstverständlich ist es daher nicht, wenn Mobil und Besatzung unbeschadet und gesund wieder Zuhause ankommen.
Michael war wie immer ein guter und souveräner Fahrer, der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und alle schwierigen Situationen im Griff hatte. Und….der auch fast alle anfallenden Arbeiten unterwegs übernommen hat und mir damit Zeit geschenkt hat, damit ich mich meinen Interessen widmen und mich von der Schule und dem Alltagsstress erholen konnte.
Ich bin wieder einmal dankbar dafür, dass wir die Möglichkeit haben dieses schöne Hobby gemeinsam ausführen können und hoffentlich auch noch oft gemeinsam reisen können. Die Erinnerungen an schöne Tage sind das, was wir mitnehmen können.
Und jetzt freuen wir uns wieder auf Zuhause, auch wenn mich der Alltag gleich wieder fordern wird. Die nächste, etwas kürzere Tour, ist schon in Sicht.

Gesamte Strecke: 3156 km
Verbrauch 11,6 l Diesel auf 100 km
39, 45 Stunden reine Fahrzeit