Tag 4 Veules les Roses

 26. August in Frankreich ⋅ ⛅ 18 °C

Unser Stellplatz: Camping Les Mouettes , Avenue Jean Moulin, 76980 Veules-les-Roses, Frankreich

Die Nacht war ausgesprochen stürmisch und das ganze Wohnmobil wurde von den Böen hin-und her geschaukelt. Wie gut, dass wir nicht unter einem Baum gestanden haben. So müssen wir nur die Schüssel einfahren und brauchen uns weiter keine Gedanken machen. Der Platz ist gegen Abend mehr als voll geworden. Ausgelegt auf zehn Wohnmobile, verbrachten dann tatsächlich 15 Mobile die Nacht hier im Hafen. So nach dem Motto: Platz ist dort, wo ich hinein passe. Besonders das Wohnmobil am Anfang der Reihe, das einen Platz mit wunderschönem Blick auf Hafen und Kanal gleichzeitig hatte, dürfte sich geärgert haben, als sich am Abend noch ein anderes Wohnmobil auf Spiegelbreite davor gestellt hat. Immerhin ist es so rücksichtsvoll gewesen, soweit zurück zu bleiben, dass sich die Tür noch öffnen ließ.
Wir starten nach einer kleinen Reparatur am Wohnmobil. Dieses Mal ist es die Abdeckung der Dichtung am Dach links, die sich gelöst hat und wieder befestigt werden muss. Gestern Morgen haben wir bereits die rechte Seite angebracht, nachdem uns während der Fahrt ungewohnte Geräusche irritiert haben. Zum Befestigen muss Michael jedes Mal auf die Leiter, um ans Dach zu gelangen. Ich halte die Leiter und passe auf, dass er nicht fällt. Obwohl, auffangen werde ich ihn wohl nicht können, aber zumindest den Notarzt rufen. Dafür tüfteln wir danach wieder einmal gemeinsam am Mechanismus der Klappleiter, um sie auf Transportmaße verkleinern zu können.


Es ist kurz nach zehn, als wir schließlich aufbrechen. Als nächste Herausforderung stellt sich das Tanken heraus. Hatte ich doch gestern bei meinem Spaziergang extra eine Tankstelle ausfindig gemacht, die nicht zu eng ist, die wir gut wieder verlassen und die einen Shop zum Bezahlen hat, müssen wir uns nun doch mit einem Automaten herumschlagen. Der möchte bereits vor dem Tanken, so quasi als Sicherheit, schon mal 50 Euro von unserer Kreditkarte haben. Mit Hilfe der netten Tankstellen- Angestellten klappt es dann schließlich. Der Tank ist wieder voll und wir brauchen uns erst in 700 km wieder mit “Pompe et Gazoil” zu beschäftigen.
War die Straße gestern auch schon so voller Schlaglöcher? Es rappelt und rumpelt, bis wir endlich auf der etwas besseren Fahrbahn der Autobahn Richtung Paris sind und kurz darauf über die belgisch- französische Grenze fahren. Die A 29 Richtung Rouen/Armiens kostet Maut. Wir haben vor kurzem ein neues “Bip and Go” Gerät zum elektronischen Bezahlen bekommen. Wird es funktionieren? Vorsichtshalber benutzen wir die Spur, auf der man zur Not auch ein Ticket ziehen kann. Man kann ja nie wissen! Aber die Schranke öffnet sich problemlos. Wenn jetzt auch noch der starke Seitenwind, der das Fahren ziemlich anstrengend macht, aufhören würde, könnten wir ganz entspannt Richtung Meer rollen.

Je näher wir dem Meer kommen, um so mehr reißt die Wolkendecke auf, und blauer Himmel und Sonnenschein kommen zum Vorschein. Schon bald tauchen die Namen von bekannten Küstenorten, wie Calais und Le Havre auf den Hinweisschildern auf. Wir wechseln von der A 28 auf die A 29 in Richtung Le Havre/Caen. Der Wind ist schon heftig und Michael hat ordentlich zu tun, das Wohnmobil auf Kurs zu halten. Bei der Ausfahrt Nr. 9 fahren wir ab auf die D 27 Richtung Dieppe und dann weiter auf der D 37 nach Veules les Roses. Dort wollen wir auf den Campingplatz Les Mouettes. Die Straße nach Veules les Roses zieht sich schnurgerade, aber mit vielen kleinen Hügeln durch die Felder und Wiesen, die dem starken Wind keinen Einhalt gebieten können, sodass er unser Wohnmobil ungehindert von der Seite trifft. Schlimm wird es, wenn uns auf der schmalen Straße ein LKW entgegen kommt. Die Wirkung beim Passieren ist heftig und sogar akustisch laut zu hören. Ca. 20 km vor dem Ziel werden wir durch einen Traktor, dessen Anhänger mit den aufgetürmten Rollen von getrocknetem Lein Überbreite hat, ausgebremst. An Überholen ist auf der schmalen Straße nicht zu denken. So denken auch die vor und nach uns fahrenden PKWs. Gemeinsam zuckeln wir im 25 km Tempo die nächsten gut 15 km hinter dem Gefährt her. Alle sehr diszipliniert. Keiner hupt. Niemand verliert die Nerven. Etwas entsetzt sind wir dann aber doch, als der Trecker den Blinker links setzt und auf die Straße abbiegt, die auch unsere Richtung ist und von der wir uns wieder freie Fahrt erhofft haben. Aber Gott sei Dank biegt er dann an der nächsten Kreuzung ab. In Veules les Roses geht es über enge Serpentinen den Berg hinauf, zum Campingplatz Les Mouettes. Es ist mittlerweile fast 15.00 Uhr, als wir mit einem Lageplan ausgestattet den Campingplatz nach einem geeigneten Stellplatz absuchen. Drei haben wir zur Auswahl, da ich um einen möglichst großen Platz wegen unseres Hängers gebeten habe. Es dauert wie immer, bis wir alle Vor-und Nachteile der einzelnen Plätze gegeneinander abgewogen haben, um uns dann doch für einen Platz mit einem gravierenden Nachteil zu entscheiden. Dieses Mal ist es ein Baum, der den Fernsehempfang verhindert, sowie die leichte Hanglage des Platzes, auf den wir deshalb nur mit Hilfe den Hänger geschoben bekommen. Aber dafür haben wir einen Wasseranschluss vor der Tür, was bei der schwierigen Wohnmobil Ver- und Entsorge auch nicht zu verachten ist.
Die Sonne scheint aus allen “Knopflöchern” und aus dem Wohnmobilfenster kann ich das Meer blau leuchten sehen.
Also schnappe ich mir meinen Rucksack und lasse Michael mit dem Wohnmobil und den verschiedenen Aufgaben zurück. Er will auch gar nicht mit, sondern in Ruhe ankommen und sich dann ausruhen. Morgen ist das Meer auch noch da.
Gegenüber vom Campingplatz ist ein großer Parkplatz sowie ein Aussichtspunkt, von dem man einen tollen Blick auf das Meer hat. Ein schmaler Wanderpfad und im weiteren Verlauf Treppen führen nach unten an den Strand und bieten wunderschöne Ausblicke auf die Klippen und das Meer. Es ist Flut und der starke Wind sorgt für eine ungeheure Brandung. Die rote Fahne ist gehisst. “Baignade interdite” – Baden verboten. Ich setze mich ein wenig auf die Mauer zum Strand und lasse das Naturschauspiel eine Zeit auf mich einwirken. “Insgesamt ist man eigentlich viel zu wenig am Meer,” denke ich dabei an den Spruch auf einer meiner Kaffeetassen. Es ist auf der Strandpromenade voller als ich angenommen habe. Viele Familien mit Kindern gehen spazieren oder sitzen auf Bänken und Mauern. Zum größten Teil sind es wohl Tagesgäste. Ich dachte, die Sommerferien wären in Frankreich längst beendet. Scheinbar nicht in allen Regionen. Was mich verblüfft ist, dass 2/3 der Menschen auch hier am Strand, auf der Promenade und im Ort Masken tragen und sorgfältig auf Abstand achten. An den Aussichtspunkten wird abgewartet, auf den Treppen lässt man den Gegenverkehr passieren und ist stets um Distanz bemüht. Auf der anderen Seite der Bucht führt ein Weg zu einem Aussichtspunkt auf den Klippen, dem ich folge. Danach kann ich die Bucht auch von der anderen Seite überblicken. Sehr schön, bei diesem strahlenden Wetter.

Versteckt zwischen Sträuchern entdecke ich einen alten Bunker, auf dessen dunkles Inneres ich allerdings wenig Lust verspüre. Statt dessen suche ich den kleinen Ort auf. Veules-les-Roses ist ein kleines charmantes Seebad an der Alabasterküste im Département Seine-Maritime in der Normandie. Was für eine Wohltat fürs Auge, nach den baufälligen Häusern gestern in Belgien, sind diese schmucken und Blumen geschmückten normannischen Steinhäuser. Ein Wohnmobil auf dem Weg zum Stellplatz hat sich in die engen Gassen des Ortes verirrt Oh! Oh! Da wird aber jetzt jemand ins Schwitzen kommen. Vor der Boulangerie steht eine lange Schlange. Kommt mir doch bekannt vor. Sieht im Löhne nicht anders aus. Baguette kaufen in Corona-Zeiten. Baguette? Essen? Du meine Güte. Es ist schon lange Zeit fürs Abendessen. Wo ist die Zeit geblieben? Ich mache mich auf den Rückweg, aber nicht ohne eine kurze Einkehr auf ein Getränk im “Les Galettes”. Das habe ich mir nach dem Wandern verdient. So gestärkt kann es dann die Treppen wieder bergauf gehen.
Am Wohnmobil ist Michael fertig. Er hat sogar mit der kleinen, alten Satellitenschüssel, die er auf der Anhängerkupplung befestigt hat, Fernsehen bekommen. Er ist sogar fix und fertig und empfängt mich mit den Worten:” Ich glaube wir brauchen mal ein neues Wohnmobil “. “Was ist jetzt schon wieder los,” frage ich und ahne Böses. Michael erklärt mir, dass sich die Halterung eines Solarpanels auf dem Dach gelöst hat und das Panel nun ungesichert auf dem Dach hin und her rutscht. Der starke Wind hat wohl das Seine dazu beigetragen, und der Knall beim Passieren des LKWs heute Mittag kam dann wohl vom Panel auf dem Dach. Der nächste Baumarkt ist im 20 km entfernten Dieppe. Da werden wir wohl Sightseeing und Materialeinkauf verbinden müssen.


Der weitere Abend verläuft dann aber soweit störungsfrei. Bis auf den Regen, der den Tag zumindest draußen für beendet erklärt und uns ins Wohnmobil scheucht.

Tag 5 Veules les Roses

 27. August in Frankreich ⋅ ⛅ 19 °C

Hochzeitstag und ein Strandspaziergang

Es ist grau um acht Uhr heute Morgen. Meer und Wolken haben die selbe schmutzige Farbe, stelle ich fest, als ich das Rollo hochziehe, um mir einen Kaffee zu kochen. Und es ist kalt. 16 Gad im Wohnmobil, 14 Grad draußen. Also wieder ins Bett und auf bessere Zeiten gewartet. Die kommen mit der Sonne eine gute Stunde später und wir können sogar draußen frühstücken. Danach zieht es uns hinunter an den Strand. In verschiedenen blau und türkisfarbenen Tönen schimmert das Meer uns auf dem Wanderweg entgegen, das sich im Gegensatz zu gestern beruhigt und ein ganzes Stück zurück gezogen hat. Es ist Ebbe. Wir steuern den Steg an, der weit ins Meer hinausragt. Sehr zu unserer Freude ist er fast leer. Von vorn hat man einen tollen Blick auf die Felsen und das Meer. Das wird gleich für ein Fotoshooting ausgenutzt. Interessiert laufen wir unterhalb der kleinen Badehäuser, die sich in 3 Etagen am Rand des Strandes auftürmen und das Pendant zu den deutschen Strandkörben sind, auf der Promenade entlang zur Mündung der Veules in das Meer. Die Veules, die hier mit rasanter Geschwindigkeit ankommt, ist mit knapp 2 km der kürzeste Fluß in Frankreich und betreibt auch die Mühle im Ort. Aber zunächst lockt der endlose Strand aus Steinen und Sand. Einige der Strandgänger sind mit Eimern ind Schaufeln ausgestattet und auf der Suche nach Muscheln, Schnecken und Krabben für die nächste Mahlzeit. Damit kein völliger Ausverkauf dieser begehrten Leckereien stattfindet, informiert ein Plakat über die zulässige Menge.


Wir turnen unterhalten der Klippen auf den weißen Steinen herum, die nur bei Niedrigwasser zu sehen sind und die wir aus der Ferne für Schaum gehalten haben. Im zurückgehenden Wasser finden sich im Sand viele winzige Steinchen. Meine Sammelleidenschaft ist entflammt. Und bald füllt sich meine Jackentasche mit Steinen und leider auch mit Sand. Beim Anblick, der vor uns aufragenden Klippen sinniert Michael über die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und darüber, dass die Klippen noch da sein werden, wenn wir längst Geschichte sind. Geschichte? Da war doch was? Welches Datum haben wir eigentlich heute? Oh!!, den 27. August. Das ist doch unser Hochzeitstag. Ich rechne kurz nach. Oh.!! Sogar ein ganz besonderer! 45 Jahre!! Messinghochzeit, wie wir später erfahren. Das muss doch gewürdigt werden. Mein Versuch, ein großes Herz in den Sand zu malen, scheitert kläglich. Michael muss Hand anlegen und dann klappt es auch mit dem großen Herzen. In das Sandherz kommen Datum und Initialen. Ein Foto dokumentiert diesen besonderen Augenblick zur Erinnerung. Keine Minute später finden wir auch noch einen Herzstein. Hochzeitstag am Meer. Steine und Sand statt Blumen. Das passt auch besser zu diesem Moment . Blumen sind zu schnell vergänglich.

Hochzeitstag


Wir verlassen den Strand und bummeln in den kleinen Ort. An der Mühle schauen wir dem Fluss zu. Im Restaurant an der Mühle herrscht Mittagsbetrieb. Die “Plate de Jour” enthält neben einer Vorspeise auch noch Getränke zu einem moderaten Preis. Eigentlich sollten wir unseren Hochzeitstag mit einem Essen feiern. Aber keiner von uns beiden hat Hunger. Uns reicht ein Cappuccino im Café an der Kirche Eglise Saint Martin, die wir auch danach besichtigen. Mit ihren Fahnen und gespannten Fischernetzen vermittelt sie einen fröhlichen und einladenden Eindruck und steht damit authentisch zur Gemeinde von Menschen, die vom Meer leben. Die einen freuen sich über die gefangenen Fische im Netz, die anderen über die Urlauber. Mal eine Kirche, in deren Inneren man nicht das Gefühl hat, Flüstern zu müssen.


Über den Sentier aux Ânais gelangen wir wieder zur Promenade und zu den Treppen hinauf auf die Klippen, dem Parkplatz und zum Campingplatz. Das Ausruhen vorm Mobil in der Sonne ist dann leider nur von kurzer Dauer. Gleich nach dem Kaffee trinken setzen Schauer ein, die nicht wirklich zu einem Spaziergang oder einer Rollerfahrt wie geplant, animieren. Wir fahren die Markise aus, um nicht drinnen sitzen zu müssen. Die immer wieder einsetzenden Böen verlangen nach Sturmstange und Sturmseilen. So gibt es doch immer was zu tun. Erst nach dem Abendessen, das Essen gehen anlässlich unseres Hochzeitstages haben wir zu Gunsten eines “Zwischen-zwei-Schauer-Grillens” verschoben, scheint wieder die Sonne und lockt uns zu einem weiteren Spaziergang am Meer. Das orange-rote Licht, der untergehenden Sonne lässt die sonst weißen Klippen magisch glühen. Wir bewundern den imposanten Abgang der Sonne, die hinter einer kleinen Wolke ins Meer zu tauchen scheint, bevor wir zurück gehen. Das war doch ein romantischer Abschluss des Tages.

Tag 6 Veules les Roses Tag 3

 28. August in Frankreich ⋅ ⛅ 17 °C

Schauerwetter, Reparaturen und ein ausgiebiger Spaziergang.


Es ist genau wie gestern morgen. Kalt und regnerisch. Dann kommt die Sonne, und alles wird warm und leuchtend. Der Unterschied ist nur, dass sich dieser Wechsel heute alle 10 Minuten vollzieht und auch ergiebige Schauer mitmischen. Michael versucht seine Panelhalterung auf dem Dach zu reparieren. Er hat passende Schrauben dabei und den dafür notwendigen Akkuschrauber haben wir vor kurzen für eine Reparaturmaßnahme in den Niederlanden gekauft. Zum Befestigen muss er mit der Leiter ans Dach. Nichts für Jemand mit Höhenangst. Ich halte mal wieder die Leiter fest. Die Reparatur glückt und wir können ohne die Angst, unterwegs ein Paneel zu verlieren, weiterfahren. Gegen Nachmittag scheinen sich die sonnigen Abschnitte länger zu halten, und ich beschließe einen längeren Spaziergang zu machen. Es gibt schließlich noch eine Menge zu entdecken. Ich bin kaum 300 m vom Platz entfernt, da öffnet sich eine Wolke, und der Regen pladdert nur so herunter. So schnell komme ich gar nicht in die Regenjacke. Kaum habe ich die angezogen, stellt jemand diese Himmelsdusche abrupt wieder ab. Die Sonne scheint und ich fange in der Regenjacke an zu schwitzen, denn die Temperaturen sind durchaus sommerlich. Also wieder ausziehen. Das An-und Ausziehen geht die nächste halbe Stunde noch so weiter. Dann hat die Sonne gesiegt und die Jacke kann im Rucksack bleiben. Mein Weg führt mich entlang der Promenade. Es ist Flut und das Rauschen des Meeres übertönt alles. Am Ende der Promenade stehen drei Fischstände. Die sind mir gestern gar nicht aufgefallen. Hier verkaufen die Fischer am Morgen ihren Fang. Jetzt sind sie allerdings leer. Ich beginne den Wanderweg zum Aussichtspunkt auf den Klippen hochzusteigen.
Vor mir hat sich eine Familie in den Kopf gesetzt, ihren Opa im Rollstuhl auf den Aussichtspunkt zu transportieren und ihn dafür aus dem Rollstuhl gehievt. Während eine junge Frau den leeren Rollstuhl berghoch schiebt, versuchen zwei andere Familienmitglied den Opa zwischen sich beim Gehen zu stützen. Welch ein körperlicher Einsatz, damit der Opa auf die Aussichtplattform gelangt. Leider ist dann spätestens bei den Treppen Schluss für Opa und Rollstuhl.


Ich genieße wenig später noch einmal einen Blick in die Tiefe, dann setze ich meinen Weg fort. Ich möchte mir den Stellplatz auf dieser Seite der Klippen ansehen. Von unserem Campingplatz aus kann ich die Wohnmobile hier oben gut sehen und habe mir immer einen Platz mit toller Aussicht vorgestellt. Der Stellplatz ist eine von Bäumen eingefasste große Wiese. Ein kostenloser Parkplatz auch für PKWs. Vor einer schmalen Schneise, die einen kleinen Ausblick auf das Meer gewährt, drängeln sich die Wohnmobile dicht an dicht, während der Rest der Wiese leer ist. Ein Schild weist darauf hin, dass Camping verboten ist. Ich habe genug gesehen. Zum Parken ok, aber um mehrere Tage im Ort zu bleiben, sind wir auf unserem kleinen Camping besser aufgehoben. Ein Schild weist den Weg ins “Centre”, dem ich bereitwillig folge und dabei die Straßen kennenlerne, durch die sich die Wohnmobile quälen müssen, wenn sie durch den Ort hier hinauf fahren wollen. Nichts für größere Fahrzeuge, es denn, man ist auf Adrenalinentzug.
Im Ort besuche ich eine Potterie und ein Atelier und kaufe drei kleine, wunderschöne Drucke eines hier angesagten Künstlers als Erinnerung. Veules Les Roses ist auch ein Ort der Kunst, stelle ich beim Anblick der verschiedenen Ateliers und Werkstätten fest. Ich laufe weiter zur “Maire”. Auch hier im angrenzenden Gebäude lädt ein Maler in sein Atelier ein. Der Einladung folge ich gerne.
Ein Park ähnlicher Wald mit einsamen Wegen führt etwas hinaus aus dem Ort. Auf einem dieser Wege stehen rechts und links je ein Stuhl. Keine Ahnung warum, aber ein interessanter Anblick, den ich gleich festhalte und der Begriff “Stuhl-Gang” kommt mir ob seiner Doppeldeutigkeit in den Sinn.
Wieder unten im Ort folge ich der Aufforderung einer “Mordret Horticulture”, einer Gärtnerei, zur Besichtigung und bestaune die Vielfalt der Blumen und Pflanzen aus der Region. Dann gelange ich an den romantischen Wanderweg an der Veules, dem ich fasziniert folge. Hier entdecke ich die wunderschön gelegene Terrasse eines “Salon de Thé”. Ein toller Ort, um einen Kaffee zu trinken. Es dauert ein wenig bis ich den Eingang gefunden habe. Wenig später kann ich meinen Kaffee genießen, während der “Veules ” direkt neben mir vorbeifließt und ich den Schock über den Preis von sieben Euro für die drei winzig kleinen Muffins, die ich mir dazu bestellt habe, verdaue. Individualität hat seinen Preis. Immerhin waren sie mit Rosenblättern gefüllt.
Inzwischen ist es schon später Nachmittag. Ich besorge noch ein Baguette und mache mich dann langsam auf den Heimweg. Das Wetter ist während des Nachmittag doch noch schön geworden und wir können noch etwas vor dem Mobil sitzen. Dann aber kommen die Schauer wieder und wir verziehen uns nach drinnen.


Morgen wollen wir weiterfahren. Angesichts des Tiefs, das für die nächsten zwei Tage mit viel Regen angesagt ist, beschließen wir dem Meer den Rücken zu kehren und ins Landesinnere zu fahren. Unsere Wahl fällt auf Bayeux. Ein hübscher Ort mit einer bekannten Kathedrale und verschiedenen Museen. Dort können wir auch bei Regen etwas unternehmen. Der weitere Abend vergeht mit Regen und Wind, der auch die Herrschaft über unsere Satellitenschüssel übernommen hat.